Gender Gap Report 2025: Karrierebremse trotz Qualifikation

Frauen erzielen in 109 von 148 analysierten Ländern weltweit mehr Hochschulabschlüsse als Männer. Die Bildungsparität (Bildungsgerechtigkeit, in der alle Individuen, die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Bildung haben) liegt global bei 95,1 Prozent, während der Gesamt-Grad der geschlossenen Geschlechterlücke bei 68,8 Prozent liegt. Diese Fortschritte in der Bildung spiegeln sich jedoch unterproportional in der beruflichen Stellung von Frauen wider. Das geht aus dem Global Gender Gap Report 2025 hervor.

Die diesjährige Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) legt offen, dass trotz einer schrumpfenden Geschlechterlücke in der höheren Bildung nach wie vor Defizite bei der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen bestehen. Lediglich 29,5 Prozent der leitenden Positionen werden von Frauen mit tertiärem Bildungsabschluss besetzt, 28,1 Prozent der Top-Management-Positionen. Und das trotz stetig steigender Absolventinnenzahlen. Diese Diskrepanz wird als „Drop-to-the-top“-Effekt bezeichnet und zeigt, dass der Übergang in Führungsrollen für Frauen weiterhin schwer ist.

Die Arbeitsmarktteilhabe von Frauen liegt global bei 41,2 Prozent. Ihr Anteil der Belegschaftsdemografie überwiegt in personenbezogenen, niedrigeren Entlohnungsebenen wie dem Bildungs- (52,9 % Frauenanteil) und Gesundheitswesen (58,5 % Frauenanteil). Branchen mit hohem wirtschaftlichen Anreiz, wie MINT-Industrien, bleiben hingegen von Männern geprägt. 

Ein zentraler struktureller Faktor ist die mangelnde Vereinbarkeit von MINT-typischen Arbeitsbedingungen mit den biografischen Realitäten vieler Frauen. Diese übernehmen global betrachtet weiterhin einen überproportionalen Anteil an unbezahlter Sorgearbeit. Das spiegelt sich in der Zahl beruflicher Unterbrechungen: Frauen nehmen 55,2 Prozent häufiger als Männer eine Erwerbspause. Auch ein misogynes Arbeitsklima und Belästigungen am Arbeitsplatz können zu einem Branchenwechsel führen.

Im internationalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede in der Gleichstellung: Island liegt mit einem geschlossenen Gender Gap von 92,6 Prozent zum 16. Mal in Folge vorne. Weitere Länder mit besonders hohem Gleichstellungsgrad – über 80 Prozent – sind Finnland, Norwegen, Neuseeland, Schweden und Deutschland. Die stärksten Fortschritte seit 2006 verzeichnete Lateinamerika und die Karibik mit einem Anstieg von 8,6 Prozentpunkten. Europa weist die höchste politische Partizipation von Frauen auf (35,4 %) und liegt bei der wirtschaftlichen Teilhabe über dem globalen Durchschnitt. Die Regionen mit den größten verbleibenden Ungleichheiten sind der Nahe Osten und Nordafrika (61,7 % geschlossen) sowie Südasien (64,6 %). 

Auch in Ländern mit weitgehender Bildungsgleichheit bleibt der Weg in wirtschaftliche Führungspositionen häufig verschlossen – ein Muster, das sich in Industrienationen wie auch in Schwellenländern zeigt. Der Gender Gap Report 2025 prognostiziert, dass bei aktuellem Fortschritt erst in etwa 123 Jahren vollständige Geschlechterparität erreicht wird.

/Tim Breuer

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