Die Serie „The Big Bang Theory“ mit ihren mittlerweile zwölf Staffeln wird im Mai 2019 beendet. Das erfolgreiche Format zeigt seit 2007 den Alltag rund um Nerd-Kultur, Neurosen – und Wissenschaft. Was zu Beginn als reine Unterhaltung geplant war, hat mit den Jahren die öffentliche Sicht auf ein Berufsbild verändert. Seit den 1990er-Jahren gibt es für das Phänomen einen Namen: der CSI-Effekt.

Die Leiche liegt auf dem Seziertisch, halb mit einem weißen Laken bedeckt. Sie scheint erst seit ein paar Stunden tot zu sein. Unter dem Fingernagel: Dreck. Eine junge Frau mit langen, offenen Haaren, beugt sich zu dem Toten herunter. Sie widmet sich mit konzentriertem Blick den schmutzigen Fingernägeln, hebt die blassen Hände an, schabt vorsichtig den Dreck mit einem glänzendem Werkzeug ab und lässt ihn in einen kleinen Plastikbehälter fallen. Auf damit ins Labor. Die entscheidende Spur kann überall versteckt sein.

Verbrechensaufklärung dank Chemie und Physik

Forensik und Rechtsmedizin, einst unbeliebte und unattraktive Fächer, haben durch den Boom der Crime – Serien Anfang der 2000er-Jahre einen Imagewandel durchlaufen. Sie gelten nicht mehr wie ursprünglich als eintönige Tätigkeit irgendwo zwischen mikroskopieren und chemischer Stoffanalyse am Rande der Polizeiarbeit. Inzwischen haben Forensiker den Ruf, entscheidend zur Aufklärung des Verbrechens beizutragen. Kein Mord mehr ohne Laboruntersuchung. In Serien wie CSI – den Tätern auf der Spur, Crossing Jordan oder Bones – die Knochenjägerin wird kaum ein Fall gelöst, ohne alle Spuren bis ins Detail zu verfolgen, kleinste Blutreste nach Hinweisen zu untersuchen oder in aufwändigen technischen Verfahren Geschosse und Patronen zu analysieren. Spannend ist die Arbeit der Ermittlerteams, überraschend, manchmal unglaublich. Und eins immer: Unweigerlich wird die Wahrheit ans Licht gebracht. Der Beschuldigte wird durch eine Stofffaser, eine Hautabschürfung, einen Fingerabdruck entlastet, der wahre Täter wandert hinter Gitter.

Anstieg der Studierenden

Die Beliebtheit solcher Serien hängt nicht zuletzt mit den Protagonisten zusammen. Was eingängig als „Forensiker“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit eine ganze Riege verschiedener Berufe: Mal übernehmen sie die Arbeit der Rechtsmediziner, mal die der Kriminalbiologen oder der Ermittler. Sie sind klug, hochkompetent, engagiert. Und häufig Frauen. Tatsächlich ist die Anzahl an weiblichen Protagonisten für Mainstream-Serien überdurchschnittlich hoch. Figuren wie Sarah Sidle und Catherine Willows sind die heimlichen Stars vieler Crime-Formate. Eine Untersuchung an der Universität Düsseldorf ergab 2008, dass sich inzwischen deutlich häufiger Frauen als Männer für das Berufsbild des Forensikers interessieren. Auch andere Studien bestätigten, dass die Anzahl der Studierenden in der Rechtsmedizin und der Forensik insgesamt, aber besonders die Anzahl der Studentinnen gestiegen ist. Das war nicht immer so. Vor der Erstausstrahlung von CSI und anderen ähnlichen Serien Anfang der 2000er-Jahre interessierte sich kaum jemand für die Forensik. Vor allem Frauen waren selten unter den wenigen Studienanfängern zu finden.

Seziertische der Pathologie wie bei CSI.
Die Pathologie der Rechtsmedizin Berlin. /Bild: Ralf Roletschek / Roletschek.at

Der CSI-Effekt

In den USA, in denen vor allem CSI regelmäßig sehr gute Einschaltquoten erreichte, stieg der Anteil der Studentinnen zwischen 2000 und 2011 um 64 %. Inzwischen haben dort 60% aller forensischen Arbeitsplätze Frauen besetzt. Auch in Deutschland sind ähnliche Effekte zu beobachten. Kaum ein naturwissenschaftliches Fach ist inzwischen so attraktiv für Frauen wie die Forensik. Neben der detektivischen Genauigkeit und der Arbeit mit hochmoderner Technologie spielen auch schulische Vorlieben und das Interesse am menschlichen Körper bei der Berufswahl eine Rolle.

Der Einfluss von Crime-Serien auf die kriminologischer Arbeit hat inzwischen auch in der Forschung einen klangvollen Namen bekommen. Die Rede ist vom CSI-Effekt. Darunter sind eine Reihe von Phänomenen zusammengefasst, die in direkten Zusammenhang mit Serien wie CSI stehen. Zum einen ist das der Anstieg von Studierenden (und vor allem von Frauen) in forensischen Berufen. Aber auch die Arbeit von Gerichten hat sich verändert. In den USA forderten Geschworene plötzlich forensische Beweise ein, auch wenn der Täter schon gestanden hatte. Verfahren wurden in die Länge gezogen, weil immer neue Anträge gestellt wurden. CSI und seine Nachfolger rückten die Forensik in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Frankenstein und Sheldon Cooper

Tatsächlich hat das Bild, dass CSI heraufbeschwört, die Sicht der Öffentlichkeit auf das Thema verändert. Von verschrobenen Wissenschaftlern sind Forensiker zu Helden des Alltags geworden, die mit Genauigkeit, Einfallsreichtum und mithilfe von modernster Technik Recht und Ordnung wieder herstellen. Es ist nicht das erste mal, dass fiktive Formate das Bild vom wissenschaftlichen Arbeiten entscheidend prägen. Wer nicht weiß, wie Mediziner, Genetiker und Chemiker forschen, nimmt sein Wissen auf Film und Fernsehen. Den Anfang machte vermutlich Mary Shelleys Frankenstein: Die Vorstellung des verrückten Wissenschaftlers, der die Kontrolle über seine Forschung verloren hat, ist bis heute ein Archetypus für die Darstellung moderner Wissenschaft.

Forensik ist auch Forschung.
Keine Angst mehr vor Naturwissenschaft /Bild: Pixabay

Ein neueres Beispiel ist die Serie The Big Bang Theory, die inzwischen in die zwölfte und letzte Staffel geht und damit bis Frühjahr 2019 beendet wird. Die weltweit erfolgreiche Sitcom ist vor allem bei jungen Menschen beliebt, die außer dem Schulunterricht bisher noch keine Erfahrung mit Naturwissenschaften und Forschung haben. Die Geschichte rund um die Physiker Sheldon und Leonard, ihre Freunde Howard (Ingenieur) und Rajesh (Astrophysiker) sowie der Kellnerin Penny zeigt „Nerds“ zwischen Marvel-Actionfiguren und String-Theorie-Berechnungen und vermittelt: Naturwissenschaft macht Spaß. So wie CSI ist The Big Bang Theory ursprünglich primär als Unterhaltungsformat gedacht gewesen. Xi Yang von der Iowa State University untersuchte 2015 den Zusammenhang zwischen The Big Bang Theory und dem Interesse junger Menschen an technischen Fächern. Demnach seien vor allem Nicht-MINT-Studierenden die Figuren als sympathisch und nahbar in Erinnerung geblieben. Serien mit und über Wissenschaftler machen Lust, sich mit Physik, Chemie und Biologie zu beschäftigen.

Realität vs. Fiktion

Das Serien wie CSI die Arbeit als Forensiker anders darstellen, als sie in der Realität ist, stört die Zuschauer dabei wenig. Statt innerhalb von wenigen Minuten die wichtigen Informationen aus einem Beweisstück geholt zu haben, warten die spezialisierten Rechtsmediziner häufig Tage- oder Wochenlang, bis die Ergebnisse da sind. Auch die Tatortarbeit überlassen sie in der Realität anderen. Und eine Aufklärungsquote von 100% wird wohl nur im Fernsehen erreicht.

Übrigens: Es gibt noch mehr Serien, die sich mit Wissenschaft und Technik auseinandersetzen. Zum Beispiel Technically Single. Hier geht es zum Blogbeitrag.

/Franziska Franken

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